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Selbst Ludwig XIV hatte einige Zeit in dieser gastlichen Stadt verbracht und wurde derweil von dem Jesuiten Orden freundlich beherbergt. Als Student für französische Kultur ist 1770 auch Goethe in Molsheim zu Gast gewesen und schrieb über seinen Aufenthalt in seinen Memoiren. An diesen Beispielen ist zu erkennen, dass Molsheim seit je her die Eigenschaft gehabt hat, illustre Personen anzuziehen.

In der Tat ist das Stadtzentrum sehr geschätzt, auf Grund seiner vielen historischen, archäologischen und architektonischen Sehenswürdigkeiten. Aber auch unter den Automobilfans ist Molsheim sehr bekannt, da sich die legendären Ateliers von Ettore Bugatti dort befinden. Die älteren Bewohner erinnern sich noch gut an die ersten Fahrten dieser Autolegenden auf den holprigen Straßen der Stadt.





Besonders ansehnlich ist heute noch der Schutzwall, der die Stadt umgibt und die vielen mittelalterlichen Kämpfe um die Stadt gegenwärtig werden lässt.

Molsheim liegt am Fuße der Vogesen auf der Weinstraße circa 20 km von Straßburg entfernt. Seiner guten Lage ist es zu verdanken, dass hier besonders florierende Weingüter anzufinden sind. Zwei erstklassige Sorten sind der Brudertal und der Flinkenberger.

Die irdischen Freuden, kombiniert mit etwas religiösem Ambiente machen Molsheim zu einem besonderen Erlebnis.




The Legend of Molsheim

Einige Historiker behaupten, dass Molsheim von „Mühle“ kommt, und es eine solche Mühle auch tatsächlich dort gegeben hat. Das Stadtwappen, auf welchem ein Mühlrad zu sehen ist, scheint diese Vermutung zu bestätigen. Nicht fern von der Stadt kann man heute noch eine Mühle besichtigen, die vielleicht gemeint gewesen sein könnte. Andere Chronisten sind allerdings der Meinung, es handle sich bei der Mühle auf dem Wappen um ein Denkmal an den Märtyrer der Stadt, St. Georg, der auf dem Mühlrad den Tod fand. Wieder andere Gelehrte sagen, das Wort Mollesheim stamme aus dem ligurischen Sprachraum. Diese Theorie würde implizieren, dass die Geschichte der Stadt sehr weit zurück geht. Obwohl Mollesheim bis 820 nicht urkundlich erwähnt wird, geben Ausgrabungen Anlass zu der Vermutung, dass die Stadt auch keltische oder römische Wurzeln haben könnte.

Hauptsächlich ist der Ort unter Charlemagne und seinen Nachfolgern in die Geschichtsbücher eingegangen. Damals war ein großer Konflikt zwischen den Bischöfen von Straßburg und den Kaisern im Gange, bei dem es um die territoriale Vorherrschaft über das Gebiet ging. Letztendlich obsiegten die Bischöfe 1303, und der Bischof Jean de Dirpheim befahl 1324 die Errichtung einer Festung und eines Schutzwalls. Ein Großteil der Mauer sowie der „Schmiedturm“ sind noch erhalten. Angesichts des immensen Schadens, den die Pest damals verursachte, ließ derselbe Bischof ein Hospital bauen und es umfangreich ausstatten.

Eine bedeutsame Zeit erlebte Molsheim zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert, von dem Moment an, in dem Straßburg der Reformation beitrat. Als die Katholiken Straßburg verlassen mussten, siedelten viele nach Saverne über, doch nur wenig später entstand bei Molsheim ein weiteres Zentrum. Somit spielte die Stadt eine gewichtige Rolle im spirituellen Konflikt zu jener Zeit, was anhand vieler Bauwerke ersichtlich ist.





Natürlich bot die Mauer für damalige Verhältnisse einen sehr hohen Grad an Schutz vor feindlichen Angriffen. Zudem war die geographische Lage sehr vorteilhaft, was auch die Bischöfe nicht übersahen. Zum einen war die Stadt sehr nah bei Saverne, zum anderen lag sie unmittelbar an der Öffnung des Bruchetals und ermöglichte somit die Überwachung der bischöflichen Wertgegenstände, die dort aufbewahrt wurden.

Auch in gesundheitlicher Hinsicht war die Lage exquisit. Die Handelsstrassen die von Benfeld und Dambach über Molsheim nach Straßburg führten, waren bekannt für ihr mildes Klima, was bei der damals allgegenwärtigen Seuchengefahr einen hohen Stellenwert hatte. All das führte dazu, dass Molsheim 1570 – 80 unmittelbar nach der Vertreibung aus Straßburg die zweite Hochburg für die Bischöfe wurde.

Zu dieser Zeit war die Stadt buchstäblich ein kultureller Schmelztiegel. Mit den Katholiken kamen 1580 die Jesuiten nach Molsheim. Ihnen folgten die Kartäusermönche, deren Konvent in Königshoffen zerstört worden war. Die Jesuiten waren damals bekannt für ihren Tatendrang. Unmittelbar nach ihrer Ankunft bauten sie ein Bildungszentrum, in dem 70 religiöse Gelehrte beschäftigt waren. Man kann sich gut die spirituelle Aktivität vorstellen, die das Stadtbild damals prägte: Ein Theater, die Gründung einer Universität mit modernen pädagogischen Methoden, und der Bau einer Kirche zwischen 1615 und 1617, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass Ludwig XIV das kulturelle Angebot der Stadt zu schätzen wusste und ihr einen Besuch abstattete.

Molsheim war auch ein bekannter Ort unter den Schriftstellern und Buchdruckern. Zeitgleich mit der Erschaffung des Jesuitenseminars, gründete Bischof Leopold von Österreich eine Druckerei, die von Jean Hartmann geleitet wurde und leider während des dreißigjährigen Krieges zerstört wurde. 1650 wurde sie aber durch Jean-Henri Straubhaar wieder in Betrieb genommen und blieb für zwei Jahrhunderte aktiv.



 

 

 

 

 

 

 

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